Unter diesem Motto organisierten wir auch in diesem Schuljahr wieder vielfältige Projekte, die unseren Schülerinnen und Schülern nicht nur neues Wissen vermitteln, sondern ihnen zugleich die Möglichkeit geben sollten, respektvoll und tolerant miteinander in Kontakt zu treten. Gerade als Modellschule für Partizipation und Demokratie ist es uns ein besonderes Anliegen, demokratische Werte nicht nur zu vermitteln, sondern sie im Schulalltag erlebbar zu machen.
Für unsere 10. Klassen stand Ende Januar der Projekttag „Zwischen Genuss und Risiko“ auf dem Programm. Gemeinsam mit der Polizei Bitburg, der Caritas Bitburg, dem Kreuzbund sowie unserem schuleigenen Schulsanitätsdienst informierten wir die Schülerinnen und Schüler über das Thema Sucht: Was bedeutet Sucht eigentlich? Welche Ursachen kann sie haben? Und welche Folgen bringt sie mit sich?
Dabei konnten die Schülerinnen und Schüler nach einem einführenden Vortrag von mir, jeweils zwei Workshops wählen und sich so intensiver mit ihren Fragen und Interessen beschäftigen. Es wurde deutlich, dass heutzutage nicht nur klassische Suchtmittel wie Alkohol, Nikotin oder Drogen wie Cannabis und Kokain eine Rolle spielen. Auch digitale Medien können abhängig machen und ähnlich schwerwiegende Folgen haben. Wissen über diese Gefahren ist die Grundlage dafür, verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen. Besonders eindrucksvoll waren die Gespräche mit Betroffenen des Kreuzbundes. Sie machten deutlich, dass Suchterkrankungen jeden Menschen treffen können und Betroffene auf Verständnis und Unterstützung angewiesen sind. Während die Polizei über rechtliche Aspekte und mögliche Konsequenzen informierte, beschäftigte sich die Caritas mit den Themen Medienabhängigkeit und Glücksspielsucht. Herr Schmitz und ich erläuterten die gesundheitlichen Risiken einer Alkoholvergiftung oder eines Drogennotfalls und vermittelten gleichzeitig wichtige Erste-Hilfe-Maßnahmen, damit in einer solchen Situation schnell und richtig gehandelt werden kann.
Gerade hier zeigt sich, wie treffend unser Motto ist: Wissen ist Macht. Es geht darum, Verantwortung für den eigenen Körper zu übernehmen und gleichzeitig Mitmenschen in schwierigen Situationen unterstützen zu können.
Mein besonderer Dank gilt Franz Urfels von der Caritas, Herrn Weiler von der Polizei Bitburg, Peter Dahm vom Kreuzbund sowie Herrn Schmitz für ihre wertvolle Unterstützung bei diesem Präventionstag.
Im April konnten unsere 8. Klassen einen Projekttag in Mainz zum Thema „Menschenrechte und Demokratie“ erleben. Dieser fand in Kooperation mit dem „Haus des Erinnerns“ statt. Während eine Klasse zunächst einen Workshop zum Thema Menschenrechte besuchte, nahm die andere an der Stadtführung „Auf den Spuren der NS-Geschichte“ teil. Anschließend wurden die Gruppen getauscht.
Im Workshop setzten sich die Schülerinnen und Schüler zunächst mit der Bedeutung und der Wichtigkeit der Menschenrechte auseinander. Anschließend arbeiteten sie in Kleingruppen zu unterschiedlichen Themen, darunter die Geschichte der Menschenrechte, ihre Bedeutung für den eigenen Alltag, die UN-Behindertenrechtskonvention sowie Persönlichkeiten wie Martin Luther King oder Astrid Lindgren. Ziel war es, sich intensiv mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen, eigene Fragestellungen zu entwickeln und die Ergebnisse kreativ zu präsentieren. Dabei entstanden unter anderem Kurzfilme, Comics, Flyer und Plakate. Im Mittelpunkt stand stets die Frage, welche Bedeutung Menschenrechte für den Alltag der Schülerinnen und Schüler haben und wie jede und jeder Einzelne dazu beitragen kann, diese Rechte sichtbar zu machen und zu schützen.
Beim Stadtrundgang folgten wir den Spuren von Gerti Meyer-Jorgensen und ihrer Familie während der Zeit des Nationalsozialismus. Ausgangspunkt war das ehemalige Wohnhaus ihrer Eltern, vor dem Stolpersteine bis heute an ihr Schicksal erinnern. An verschiedenen Stationen erfuhren wir mehr über Gertis Lebensweg, ihre Freunde sowie die Orte, an denen sie untergebracht wurde. Der Rundgang führte vorbei am ehemaligen Gestapo-Hauptquartier bis hin zur Neuen Synagoge. Mithilfe historischer Fotos und Zeitzeugenberichte wurde die Geschichte für die Schülerinnen und Schüler greifbar und die Auswirkungen der nationalsozialistischen Verfolgung nachvollziehbar. Zum Abschluss diskutierten wir über die Bedeutung der Stolpersteine als wichtige Form des Erinnerns.
Im Mittelpunkt dieses Projekttages stand die Stärkung demokratischer Werte. Durch die intensive Auseinandersetzung mit den Menschenrechten sollte ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, welch großes Privileg es ist, diese Rechte heute zu besitzen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sie – mit Blick auf die NS-Vergangenheit – keineswegs selbstverständlich sind und deshalb geschützt und verteidigt werden müssen. Die behandelten Themen lassen sich auch künftig in den Unterricht verschiedener Fächer wie Geschichte, Sozialkunde, Deutsch oder Biologie einbinden. Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern zu verdeutlichen, dass Respekt, Empathie und Solidarität die Grundlage unseres Zusammenlebens bilden. Sie sollen ihre eigene Verantwortung erkennen und dazu beitragen, unsere Gesellschaft sozial, gerecht und demokratisch mitzugestalten.
Gerade angesichts der aktuellen weltpolitischen Entwicklungen, in denen demokratische Werte zunehmend unter Druck geraten, ist es wichtiger denn je, den Wert unserer Demokratie sichtbar zu machen und aufzuzeigen, wie jede und jeder Einzelne zu ihrem Erhalt beitragen kann. Das Wissen über die Vergangenheit ermöglicht es uns, Gegenwart und Zukunft verantwortungsvoll und im Sinne unserer demokratischen Werte zu gestalten.
Mein Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen, die zur erfolgreichen Durchführung dieses Projekttages beigetragen haben.
Zum Ende des Schuljahres setzten sich unsere 9. Klassen mit dem Thema „Love is Love – Mehr Toleranz für alle!“auseinander. Während uns in den vergangenen Jahren externe Partner wie SCHLAU Rheinland-Pfalz oder „Mit Sicherheit verliebt“ unterstützt hatten, musste ich den Projekttag aufgrund von Terminüberschneidungen in diesem Jahr selbst durchführen. Es war jedoch eine große Bereicherung, die Themen gemeinsam mit den Klassen zu erarbeiten. Trotz eines bereits vorhandenen Wissensstandes entstanden viele spannende Fragen und anregende Diskussionen, wobei jede Klasse eigene Schwerpunkte setzte.
Passend zum Pride Month stand die Förderung von Akzeptanz, sexueller Vielfalt und Selbstbestimmung im Mittelpunkt. Dabei wurde deutlich, dass sowohl ein verantwortungsvoller Umgang mit dem eigenen Körper als auch ein respektvoller Umgang mit anderen Menschen unverzichtbar sind. Queere Menschen erfahren heute zwar deutlich mehr gesellschaftliche Anerkennung als noch vor einigen Jahren und können ihre Identität vielerorts offen leben. Dennoch sind Diskriminierung, Ausgrenzung und Anfeindungen weiterhin Teil ihres Alltags. Vielen Jugendlichen ist zudem gar nicht bewusst, was Begriffe wie „queer“ oder „LGBTQI+“ eigentlich bedeuten und welche Vielfalt sich dahinter verbirgt. Unwissenheit führt häufig zu Vorurteilen oder verletzenden Bemerkungen und erschwert vielen Betroffenen ein offenes Leben. Ein weiterer Schwerpunkt war die Aufklärung über sexuell übertragbare Krankheiten. Aus Scham oder aufgrund bestehender Vorurteile sprechen viele Menschen nicht darüber oder nehmen medizinische Hilfe zu spät in Anspruch. Deshalb ging es nicht nur um fachliche Informationen, sondern auch um Beratungsangebote und Ansprechpersonen zu eröffnen.
Gerade in einer Zeit, in der Jugendliche täglich mit einer kaum überschaubaren Menge an Informationen – sowohl seriösen als auch irreführenden – konfrontiert werden, wird es zunehmend schwieriger, sich zu orientieren und eine eigene Haltung zu entwickeln. Deshalb beschäftigten wir uns auch mit aktuellen Entwicklungen wie Misogynie oder der sogenannten Manosphere und diskutierten deren Einfluss auf junge Menschen. Entsprechend unserem demokratischen Leitbild möchten wir unsere Schülerinnen und Schüler zu einem respektvollen, toleranten und verantwortungsbewussten Umgang mit allen Menschen erziehen. Denn Vielfalt begegnet uns überall – unabhängig von Herkunft, Religion, Hautfarbe, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, Hobbys oder Musikgeschmack.
Wissen schafft deshalb nicht nur Handlungskompetenz, sondern vor allem Verständnis, Respekt und Toleranz. Genau darin liegt die Botschaft unseres Mottos: Wissen ist Macht und schafft Toleranz.
Text und Bilder: Hanna Scharfbillig

